B 35-Brücke bei Maulbronn – Notwendigkeit von Neubau bereits seit 2015 bekannt

Anfrage von FDP-Landtagsabgeordneten legt schlechte Zustandsbewertungen offen

Die seit Anfang Dezember für den Verkehr über 7,5 Tonnen gesperrte Überführung der B 35 über die L 1131 bei Maulbronn-West ist bereits seit vielen Jahren in keinem guten Zustand mehr. Das zeigt nun eine Kleine Anfrage (Drs. 17/10109) der FDP-Landtagsabgeordneten Prof. Dr. Erik Schweickert und Dr. Christian Jung. Die Brücke soll nach jetzigem Stand bis zum Spätsommer 2028 ersetzt werden. Schon ab dem Spätsommer dieses Jahres soll bis Anfang 2027 eine Behelfsbrücke errichtet werden, um den Verkehr aufrechterhalten zu können. Wie das Verkehrsministerium in seiner Antwort an die beiden Liberalen mitteilt, sei die Notwendigkeit einer absehbaren Erneuerung des Bauwerks aber bereits seit dem Jahr 2015 prinzipiell bekannt. Schon bei einer einfachen Bauwerksprüfung im Jahr 2009 konnte die Brücke nur eine Zustandsnote von 2,9 erreichen, was bei der bis 4,0 reichenden Skala einer gerade noch ausreichenden Bewertung gleichkommt. Bei den folgenden Prüfungen der Brücke in den Jahren 2012-2022 konnte die Brücke nach kleineren Reparaturen dann jeweils eine Zustandsnote von 2,5 erreichen. 2019 wurde dann abseits der bis dahin bekannten Schäden ein Riss im Brückenfeld über der Bahnnebenlinie festgestellt, der sich bis zur bislang letzten Hauptprüfung im Jahr 2025 weiter ausgebreitet hatte. Auch im benachbarten Brückenfeld über dem Waldweg wurde dabei ein weiterer Riss festgestellt, sodass die Brücke mittlerweile nur noch mit der Note 3,3 bewertet wird. Ab der Zustandsnote 3,5 lautet das Urteil „ungenügend“.

Nachdem er in jüngster Vergangenheit schon mehrfach den schleichenden Verfall der Verkehrsinfrastruktur bemängelt hatte – zuletzt beispielsweise an der ebenfalls neu zu bauenden Würmbrücke bei Steinegg –, zeigt sich der Enzkreisabgeordnete Schweickert entsprechend entsetzt, dass auch hier jahrelang nichts für den Erhalt der Brücke passiert sei. „Wenn in den Schadensprotokollen über Jahre hinweg steht, dass das Schadensbild der vorgehenden Prüfung im Wesentlichen unverändert ist, aber niemand zeitnah Reparaturen beauftragt, muss man sich nicht wundern, dass irgendwann der Punkt kommt, wo die Schäden sich doch ausweiten und man an Einschränkungen des Verkehrs nicht mehr vorbeikommt“, so Schweickert. Nach Ansicht des Enzkreisabgeordneten sei es zwar richtig, dass nun die Erneuerung der Brücke beschleunigt vorangetrieben werde und der zusätzlich geplante Ausbau des Beschleunigungs- und Verzögerungsstreifens sowie der Radweglückenschluss erst im Nachgang erfolgen sollen, jedoch sei dieser Schritt schon deutlich früher möglich gewesen. „Die Planung der Brücke bei Maulbronn-West begann gleichzeitig mit der zum Neubau der Knittlinger Kieselmannbrücke. Letztere ist schon seit fast zweieinhalb Jahren für den Verkehr freigegeben. In Maulbronn, wo die Planung wegen der zusätzlichen Maßnahmen umfangreicher ausfällt, muss stattdessen nun bis Anfang 2027 eiligst eine Behelfsbrücke errichtet werden, um überhaupt den Verkehr aufrecht zu erhalten, während die Bürgerinnen und Bürger auf den Umleitungsstrecken wegen der Gewichtsbeschränkung schon jetzt mit zusätzlichem Schwerlastverkehr konfrontiert werden. Der Bund als Baulastträger und das Land als Beauftragter für die Straßenverwaltung fallen hier mal wieder mit einer großen Fehlleistung auf“, kritisiert Schweickert.

Jung, Abgeordneter aus dem benachbarten Wahlkreis Bretten und Verkehrsexperte der FDP-Landtagsfraktion, stimmt seinem Kollegen aus dem Enzkreis zu. „Der grüne Verkehrsminister Winfried Hermann hat trotz seines Vorsatzes ‚Erhalt vor Neubau‘ in den letzten 15 Jahren nicht geliefert. Die Probleme im Straßenbau und speziell bei der Instandhaltung der Brücken sind eher gewachsen als geschwunden. Sein Nachfolger muss dringend eine Wende einleiten. Keine unnötigen Förderungen und Spielereien mehr, dafür ein klarer Fokus darauf, die Infrastruktur schnellstmöglich instand zu setzen und die Leistungsfähigkeit des Straßennetzes zu erhalten“, so Jung.