Schweickert kritisiert erneute Verschiebung auf Oktober 2027 – „Fünf Jahre für eine kleine Kreisstraßenbrücke sind ein Armutszeugnis“
„Alle Jahre wieder im Oktober gibt es neue Nachrichten zum ‚Nieferner Brückle‘. Leider werden sie immer schlechter“, kommentiert der ehemalige FDP-Landtagsabgeordnete Prof. Dr. Erik Schweickert die heutige Mitteilung der Autobahn GmbH. Die K-4500-Brücke zwischen Niefern und Hagenschieß soll nun erst im Okto–ber 2027 wieder für den Verkehr freigegeben werden. Damit verlängert sich die Vollsperrung auf fünf Jahre.
„Wir reden hier nicht über eine riesige Talbrücke oder ein technisch außergewöhnliches Großbauwerk, sondern über eine kleine Kreisstraßenbrücke. Wenn man für deren Ersatz fünf Jahre benötigt, ist das schlicht ein Armutszeugnis für die Autobahn GmbH“, kritisiert Schweickert.
Besonders ärgerlich sei die Vorgeschichte. Im Oktober 2022 wurde die alte Brücke überraschend vorzeitig abgerissen. Damals hatte die Direktorin der Autobahn GmbH Südwest, Christine Baur-Fewson, versichert, dass der vorgezogene Abriss eine frühere Fertigstellung ermögliche: Mitte 2025 statt ursprünglich Ende 2026. Die Sperrdauer könne dadurch sogar verkürzt werden. Noch im Oktober 2023 wurde dieser Zeitplan im Projektbegleitkreis bestätigt.
Im Dezember 2024 folgte die Ernüchterung: Wegen statischer Probleme konnte der ursprüngliche Brückenentwurf nicht realisiert werden. Die Fertigstellung verschob sich zunächst auf Mitte 2026, später auf Ende 2026. Nun fehlen laut Autobahn GmbH die Fertigungskapazitäten für den Stahlbau.
„Erst reißt man die Brücke früher ab, um schneller fertig zu werden. Dann passt die Statik nicht. Und jetzt wird das ‚Nieferner Brückle‘einfach hintenangestellt, weil die Kapazitäten für den Stahlbau fehlen. Aus einer versprochenen Bauzeitverkürzung sind fünf Jahre Vollsperrung geworden. Wer soll einer solchen Terminplanung eigentlich noch glauben?“, fragt Schweickert.
Unverständlich sei zudem die Informationspolitik. Noch beim letzten Projektbegleitkreis im November 2025 hatte die Autobahn GmbH den Einhub der Brückenüberbauten für das zweite Halbjahr 2026 angekündigt. Von einer weiteren Verzögerung war damals keine Rede. „Offenbar muss man jede Zusage regelmäßig wieder hervorholen und überprüfen.“
Schweickert hatte bereits den überraschenden Abriss 2022 kritisch hinterfragt und auch die späteren Probleme und Terminverschiebungen immer wieder öffentlich aufgegriffen. „Gerade bei einer solchen Baustelle braucht es kritische Kontrolle. Sonst geraten frühere Zusagen schnell in Vergessenheit und neue Verzögerungen erst spät an die Öffentlichkeit.“
Auch den Fertigstellungstermin des gesamten A8-Ausbaus Ende 2027 sieht Schweickert zunehmend skeptisch. Die kleine Kreisstraßenbrücke soll nun gerade einmal zwei Monate vor dem geplanten Abschluss des Großprojekts freigegeben werden. „Wenn schon bei einer vergleichsweise überschaubaren Brücke die Zeitpläne immer wieder scheitern, wie belastbar ist dann die Zusage, dass Ende 2027 die gesamte Enztalquerung fertig sein soll? Meine Zweifel daran werden jedenfalls nicht kleiner.“
„Fünf Jahre ohne das ‚Nieferner Brückle‘ – obwohl der vorzeitige Abriss die Sperrung ursprünglich verkürzen sollte. Die Autobahn GmbH sollte sich künftig weniger an ihren Ankündigungen und mehr an deren Einhaltung messen lassen“, so Schweickert abschließend.
